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Uschi Rubinstein Littmann

Uschi Rubinstein Littmann, geboren am 8. Dezember 1921 in Berlijn

Berlijn

Uschi Littmann hatte zwei Schwestern, Gerda und Melita, die neun bzw. elf Jahre älter waren als sie, und einen drei Jahre älteren Bruder, Jacques. Ihre Eltern kamen ursprünglich aus Polen, waren aber unter dem Druck des anti-Semitisus nach Berlin umgezogen. Die Littmanns waren eine orthodox-jüdische Familie, in der koscher gekocht wurde. Um jedoch so gut wie möglich zu assimilieren, ging Uschi an eine öffentliche Schule. Vater Leo Littmann starb, als Uschi 6 Jahre alt war. Dadurch musste Mutter Rosa Boudner mehr arbeiten und Uschi war oft allein. Als Hitler 1933 an die Macht kam, nahm der Antisemitismus in Deutschland schnell zu.

In der Bibliothek, die Uschi täglich nach der Schule besuchte, arbeiteten ein paar junge Frauen, die der kommunistischen Partei angehörten. Die Frauen luden Uschi dazu ein, an den Bildungsabenden teilzunehmen. Aus dieser Gruppe entwickelte sich später eine Widerstandsgruppe unter der Leitung von Herman Baum.

Ich war zwölf Jahre alt, es war furchtbar. Man sah all die Nazis durch Berlin marschieren. Sie riefen „Heil Hitler“ und antimsemitische Parolen. Unser Haus hatte einen Hauswart, der in SA-Uniform und mit einem großen Schäferhund herumlief, vor dem ich Todesängste ausstand. In der Schule wurde es auch anders. In der Pause spielte ich mit einer Freundin, die zufällig auch Ursula hieß. Eines Tages rief ihre Mutter sie zu sich. Als sie zurückkam, sagte sie mit hochrotem Kopf: ‘Uschi, ich darf nicht mehr mit dir spielen.’ ‘Warum nicht?’ fragte ich. ‘Du bist Jüdin.’

Als Vierzehnjährige fing Uschi an in einem Hutgeschäft für Damenhüte zu arbeiten. Sie wollte gerne an die Kunstakademie gehen, aber das war Juden inzwischen verboten. Für die Schule war sie nicht gerade zu motivieren. 1938 kam es zur Reichskristallnacht. Uschi arbeitete an dem Tag im Atelier.

Wir saßen im Keller. Über uns wurde alles zerstört. Als es vorbei war, ging ich nach Hause. Zwei Jungs in Nazi-Uniform kamen auf mich zu und wollten mich angreifen. Da sagte einer von ihnen: „Die nicht, das ist unsere Nachbarin.” Das war ich also. Die Nazis verhafteten in der Zeit vor allem polnische Juden und schickten sie in Konzentrationslager. Wir beschlossen zu fliehen. Meine älteste Schwester hatte Kontakte in Amsterdam. Wir überquerten die Grenze illegal mithilfe einer Freundin meiner Schwester.

Amsterdam, Frederik Hendriklaan

In den Niederlanden suchte Uschi Anschluss bei der sozialistischen Partei. Sie war erstaunt über die naive Haltung der Niederländer angesichts der drohenden Gefahr.

Ich trat in die sozialistische Partei ein und schloss mich der sozialistischen Arbeiter-Jugend an. Da übten wir Volkstänze. Die Politik interessierte sie überhaupt nicht. Sie dachten bloß an Verlobung und Aussteuer und solche Dinge. Ich fand das alles Unsinn und ging nicht mehr hin.

Uschi schloss sich daraufhin einer sozialistischen Gruppe an, die sich um politische Flüchtlinge kümmerte. Später entwickelte sich diese Gruppe zur Widerstandsgruppe ‘Tehuis Oosteinde’. Dort lernte Uschi Max Rubinstein kennen, ebenfalls ein polnisch-jüdischer Flüchtling . Als die Deutschen in den Niederlanden einmarschierten, war ihnen klar, dass es sich dort genauso entwickeln würde wie in Deutschland. Nach dem die ersten Juden aufgerufen worden waren, sich zu melden, versuchten sie die Leute zu warnen.

Amsterdam, Keizersgracht

Uschi tauchte bei einem Ehepaar an der Keizersgracht unter, wo es für sie ein Versteck unter dem Fußboden gab. Max arbeitete für die Expositur, das Verbindungsbüro des Jüdischen Rates, in der holländischen Schaubühne, der Hollandsche Schouwburg. Er gehörte zu einer Widerstandsgruppe, die unter der Leitung von Jacques van de Kar stand. Diese Gruppe versuchte, so viele Menschen wie möglich aus der Schouwburg zu schmuggeln. Außerdem fälschte er Personalausweise und andere Dokumente für andere Widerstandsorganisationen und Privatleute. Dadurch dass Max für den Jüdischen Rates arbeitete, bekam er eine Sperre. Es hieß, eine Sperre wäre länger gültiger, wenn wann man verheiratet war, also heirateten Max und Uschi.

Amsterdam, #8 Berkelstraat

Mithilfe eines friesischen Mädchens, das auch im Widerstand tätig war, konnten Uschi und Max in ein Haus in der Berkelstraat einziehen. Dort versteckte Max sein illegales Werkzeug und die illegalen Papiere hinter einer gefliesten Luke in der Küche.

Über die Fremdenpolizei gelang es Uschi, an einen echten personalausweis mit falschem Namen zu kommen. Sie gab vor, ihren Personalausweis verloren zu haben. Ab jetzt hieß sie Ursula Sekely und kam aus der Tschechoslowakei. Da sie ohne Judenstern auf die Straße konnte, war sie ein idealer Kurier.