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Betty Radema

Betty Radema, geboren am 17. Juni 1933 in Amsterdam

Diezestraat 6 II, Amsterdam

Betty wuchs in einer vierköpfigen Familie auf. Sie hatte eine Schwester, Renée, die zwei Jahre alter war als sie. Ihr Vater, Hijman, arbeitete als Beamter in der Stadtverwaltung und war mit Lena de Leeuw verheiratet.

Wir wohnten in einem hübschen Haus in Amsterdam, hatten schöne Kleider und fuhren ab und zu in Urlaub, meistens an die Küste.

Als der Krieg begann, wurden Betty und ihre Schwester von zwei Tanten abgeholt, die sie mitnahmen nach Rotterdam. Ihr Eltern dachten, dass sie dort sicher aufgehoben wären. Aber ausgerechnet Rotterdam wurde von den Deutschen bombardiert und so wurden sie schnell wieder zu ihren Eltern nach Amsterdam zurückgebracht.

Betty war sich eigentlich der Tatsache, dass sie Jüdin war, gar nicht so richtig bewusst. Das änderte sich erst bei den ersten anti-jüdischen Maßnahmen. Bettys Vater wurde entlassen und Betty und ihre Schwester kamen in eine spezielle Schule für jüdische Kinder.

Erst da wurde uns klar, dass wir Juden waren. Ich wusste nicht mal, was es hieß jüdisch zu sein, da unsere Eltern den jüdischen Glauben nicht praktizierten. Wir feierten einfach Ostern und Weihnachten. Hitler hat uns zu Juden gemacht.

Ab Mai 1942 mussten alle Juden ab sechs Jahren einen Judenstern tragen. Bettys Mutter spürte einen großen Widerwillen gegen diesen Stern und nähte ihn sehr schlampig auf.

Manchmal gingen wir trotzdem einkaufen, auch wenn es nicht erlaubt war. Dann hielten wir unsere Taschen vor den Stern, sodass ihn niemand sehen konnte.

Middelburg

Anfang Mai 1943 wurden Betty und ihre zwei Jahre ältere Schwester bei einer Familie in Middelburg untergebracht, wo noch fünf andere jüdische Kinder versteckt waren. Betty und ihre Schwester bekamen einen anderen Namen und hießen von da an Staring. Sie bekamen regelmäßig Briefe und Päckchen von ihren Eltern. Sie sollten die Briefe nach dem Lesen vernichten, aber das taten sie nicht.

Nach einer Weile bekamen wir plötzlich keine Briefe mehr. Dann erfuhren wir, dass man unsere Eltern verhaftet hatte.

Amsterdam

Kurze Zeit später wurde die Adresse verraten. Betty und ihre Schwester mussten dort weg. Jemand von der Widerstandsbewegung brachte sie zu einem Versteck in Amsterdam, wo sie ein paar Wochen blieben.

Dort waren wir in einem Haus an einer Gracht versteckt, in einem kleinen Zimmer, das wir nicht verlassen durften. Das Fenster war abgedunkelt. Nur am Sonntag durften wir im Wohnzimmer mit den anderen zusammen essen. Zum Glück konnten meine Schwester und ich gut miteinander spielen. Aber die Leute fanden es zu gefährlich und so wurden wir nach drei Wochen von einem Boot wieder abgeholt und nach Friesland gebracht.

Wolsum

Betty und ihre Schwester kamen dort auf einen Bauernhof.

Dort wohnte ein Bauer mit seiner Haushälterin – eine ganze liebe Frau, die wir „Muokie“ nannten. Das ist das friesische Wort für Tante. Der Bauernhof war ein Paradies für mich. Ich fand es herrlich, draußen sein zu können und für die Tiere zu sorgen!

Betty ging in Friesland ganz normal zur Schule. Eines Tages, als sie mit einer Gruppe Kinder auf dem Weg zur Schule war, begegneten ihnen plötzlich deutsche Soldaten. Vor lauter Schreck flüchtete Betty.

Ich flüchtete mich schnell in einen anderen Bauernhof. Die Bewohner schickten mich nach oben. Aber die deutschen Soldaten kamen herein und einer von ihnen kam nach oben. Er hat mich gesehen, wie ich vor Angst zitternd auf dem Bett saß. Aber er ging wieder nach unten und sagte, es sei niemand oben.

Nach dem Krieg blieben Betty und ihre Schwester noch eine Zeitlang auf dem Bauernhof. Bis eines Tages eine Tante von ihnen im Wohnzimmer saß, die sich auf die Suche nach ihnen gemacht hatte. Niemand wusste, wo sie waren.

Da erfuhren wir auch, dass unsere Eltern im Vernichtungslager Sobibór ermordet worden waren. Wir kehrten nach Amsterdam zurück und ich lebte, bis ich 21 war, bei meiner Tante und meinem Onkel.’