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Jacques

Lowina de Levie, geboren am 10. April 1926 in Amsterdam

Amsterdam, #164 PC Hooftstraat

Lowina (Loek) de Levie kommt aus einer Familie mit vier Kindern. Vater, Mutter und alle vier Kinder überlebten den Krieg, indem sie untertauchten. Ihr Vater arbeitete als Psychiater. Im Krieg musste die Familie ins Judenviertel umziehen und bekam eine Wohnung in der Grevelingenstraat.

Bei uns zu Hause stand ein Koffer mit ein wenig Kleidung für den Fall bereit, dass wir plötzlich untertauchen müssten. Als ich sechzehn wurde und nicht mehr unter den Schutz meines Vater fiel, tauchten wir alle zusammen unter.’

Sint-Jacobiparochie, May 1943 to September 1943

Die erste Adresse, wo Loek de Levie untertauchen konnte, war in Sint-Jacobieparochie. Sie kam dort in eine junge Bauernfamilie mit drei Kindern, eins davon noch ein Baby. Loek half im Haushalt mit und fühlte sich dort recht zu Hause.

Ich habe mich nirgendwo so zu Hause gefühlt wie dort. Abends unterhielt ich mich stundenlang mit dem Mann des Hauses – im Nachhinein denke ich, dass er in mich verliebt war.

Loeks vier Jahre jüngere Schwester war bei einer anderen Familie in der Nähe untergebracht. Den Leuten im Dorf erzählte man, ihre Mutter sei krank und sie sei darum zusammen mit ihrer Schwester nach Friesland gekommen. Das war eine sehr unglaubwürdige Geschichte und wahrscheinlich glaubte sie auch niemand wirklich. Aber das ‘Dorf’ hat sie nicht verraten.

Bergum, September 1943 to August 1944

Danach wurde Loek von einem Pfarrer aus Bergum mehr oder weniger gezwungen, bei ihm und seiner Familie einzuziehen.

Mir war schnell klar, dass er eine Haushaltshilfe gut gebrauchen konnte. ‘Also,’ antwortete ich dem Pfarrer: ‘Mir geht’s hier gut und sie mögen mich hier auch. Vielleicht können Sie ja ein anderes Mädchen bekommen.’
Da sagte er: ‘Aber bei uns in Bergum kann deine kleine Schwester zur Schule gehen.’ Das Argument überzeugte mich. Meine Schwester war damals zwölf und es ist wichtig, dass man in dem Alter zur Schule gehen kann.

Der Pfarrer hatte vier Kinder, wovon das ältestes vier Jahre alt war, und es war noch ein fünftes unterwegs. Loek wurde hier sehr ängstlich. Der Pfarrer war sowohl privat als auch auf der Kanzel sehr indiskret, wodurch das Risiko verraten zu werden sehr groß war. Er erzählte ausgiebig, was er bei Radio Oranje gehört hatte, wobei es in der Zeit verboten, war ein Radio überhaupt zu besitzen, geschweige denn Radio Oranje zu hören. Als später auch Deutsche im Haus einquartiert wurden, die in der Nähe Bunker bauen mussten, bekam sie immer mehr Angst. Außerdem musste sie im Haushalt wirklich hart arbeiten. Sie blieb dort vom September 1943 bis August 1944. Als der Pfarrer selbst untertauchen musste, wurde es auch für Loek und ihre Schwester zu gefährlich. Ihre Schwester wurde von einer Lehrerin mitgenommen auf die Wattinsel Schiermonnikoog.

Drachten, September to December 1944

Von September 1944 bis Dezember 1944 war Loek für einen kurzen Zeitraum bei einer jungen Familie in der Nähe von Drachten , musste dort aber schon bald wieder weg. Sie weiß nicht mehr genau warum.

Jubbega, December 1944

Zuletzt konnte sie bei einer älteren Bauernfamilie in Jubbega untertauchen. Nur die älteste Tochter lebte noch zu Hause. Diese Leute waren sehr gut zu ihr, hatten jedoch große Angst, dass sie entdeckt werden könnte. Darum musste Loek den ganzen Tag in der Scheune bleiben.

Da jeden Moment Holländer an die Tür klopfen konnten, die auf der Suche nach etwas Essbaren waren, hatten sie furchtbare Angst, dass ich entdeckt werden könnte. ‘Schnell, weg, schnell weg,’ riefen sie, sobald sie in der Ferne Holländer kommen sahen.’ (Im sogenannten Hungerwinter, im Winter 1944/45, verhungerten und erfroren in den Niederlanden aufgrund der durch den Krieg entstandenen Mängel circa 20.000 Menschen. Vor allem in den großen Städten gab es viele Opfer. Die Deutschen blockierten in dieser Zeit alle Nahrungsmitteltransporte in den Westen des Landes als Repressalie für die Luftlandung bei Arnheim.)

Loek blieb vom Dezember 1944 bis zum Ende des Krieges bei der Bauernfamilie in Jubbega.